Die Knick Knack Vögel vom Schnackerwald

     Eine seltsame Geräuschkulisse sammelte sich unter den Wipfeln der dicht zusammengewachsenen Bäume. Insekten zirpten und summten, Vögel verschiedenster und zum Großteil noch recht junger Art zwitscherten durcheinander und übertönt wurde all dies von dem unaufhörlichen Gefasel der Eichen, Ulmen, Kiefern, Birken und vieler weiterer Bäume.

     Vor Pein Eppel und Starvarius lag er nun: der Schnackerwald. Pein Eppel hielt sich mit schmerzverzerrtem Gesicht die Ohren zu. Dieses Geschwafel schien für ihn unerträglich zu sein. Starvarius versuchte zumindest, den Unterhaltungen zu lauschen, doch die Schnackerbäume sprachen wild durcheinander und in teilweise fremden Sprachen.

     An einer kleinen Kreuzung verstummte das Geplapper jedoch für einen Augenblick und da die beiden mal wieder nicht genau wussten, in welche Richtung sie gehen sollten, rief die Sternfrucht: »Ähm … hättet ihr einen Moment …«

     »PSSST!«, unterbrachen ihn die Bäume im Chor.

     »Da kommt wieder einer!«, flüsterte eine alte Eiche.

     Starvarius und Pein Eppel verhielten sich daraufhin ruhig und wagten kaum, zu atmen. Einige Augenblicke später schallte leise das Flattern eines winzigen Flügelpaares durch den Wald und ein Knick Knack Vogel huschte den Weg entlang.

     »He, du!«, rief eine junge Birke plötzlich von der linken Straßenseite und mit einem Ruck und einem heftigen KNICK blickte der Vogel in ihre Richtung.

     »Ja, genau du!«, erschallte es aus dem Wipfel einer Ulme von der anderen Seite – und KNACK zuckte der Kopf des Vogels nach rechts. Sofort fiel er tot zu Boden.

     Die ganze Kreuzung brach in ein lautes Gelächter aus, sodass die Kronen nur so wackelten. Während Starvarius verstört auf die schadenfrohen Bäume blickte, lag Pein Eppel auf dem Rücken und kugelte sich mit ihnen vor Lachen. Wenn es etwas in der Welt gab, was ihn amüsieren konnte, dann war es gewiss Schadenfreude.

     »Ihr Monster!«, ertönte Starvarius’ Stimme entrüstet.

     »Wenn du hundert Jahre …«

     »… an einem Ort stehen würdest …«

     »… hättest du auch deinen Spaß daran«, sprachen drei verschiedene Bäume, die gegenseitig den Satz vollendeten.

     »Verratet ihr uns wenigstens, wo es zur Lichtung der Weisheit geht?«

     »Lichtung der Weisheit?« Der Wald tuschelte und beriet sich in einer fremden Sprache.

     »Ach so, die meinst du …«, antwortete eine Weide. »Folgt dem hier nach rechts und dann immer geradeaus, dann seid ihr schon fast da, doch … He, pssst! Da ist wieder einer!«

     Erneut wurde es still auf der Kreuzung. Angewidert wandte die Sternfrucht sich ab und verließ diesen Ort.

     »Vögelchen!«, rief eine Kiefer aus der hinteren Ecke des Waldes und ein leises KNICK ertönte.

     »Du da! Guck mal!«, schallte es zu Starvarius’ Entsetzten aus dem Mund Pein Eppels, der nun ebenfalls einen der Knick Knack Vögel auf dem Gewissen hatte.

     Schroff packte er ihn am Arm, um ihn hinter sich her zu ziehen.

     »Ich komm auf dem Rückweg noch mal vorbei!«, rief dieser der Kreuzung zu, als sein Leibwächter ihn hinfortzerrte.